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Wheel of Consent: „Better Consent“ im Ropetube

Kurz nach dem ersten RopeTube mit Stefan, in einer der folgenden Livechats, kam das Thema „Konsens“ auf. Sehr schnell wurde klar, dass das Thema so komplex ist, das ein eigener Livechat dazu wahrscheinlich eine gute Idee wäre… und Ende August fand dieser dann statt. Der Titel war „Better Consent“ und es ging darum, wie das Konzept des „Wheel of Consent“ funktioniert… und wie es im Shibari genutzt werden kann.

Wir alle haben unsere eigenen Erfahrungen mit dem Herstellen und Aufrechterhalten von Konsens. Darum waren die Gespräche und Fragen auch so spannend und anregend. Es ist eben nicht immer so leicht, Konsens herzustellen, vor allem, da sich die Situation und das Miteinander ja durchaus verändern. Vertrauen wird aufgebaut über die Zeit, und man kommt sich auch menschlich näher, wenn man intensiv miteinander arbeitet.

Wheel of consent – Was ist das?

Ein sehr spannender Ansatz kommt von Betty Martin. Als ausgebildete Sexological Body Workerin und Chiropraktikerin befasst sie sich quasi berufsmässig mit der Frage nach der Dynamik, wenn Menschen sich berühren, und hat ihre Ideen im „Wheel of Consent“ dargestellt.

Ich war beeindruckt von der analytischen Klarheit, mit der das Wheel of Consent unterschiedliche Dynamiken abbilden kann. Vieles davon hat mich gedanklich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Klar ausrdücken konnte ich es aber vor diesem Talk nicht. Das Video von Martin hat mir da sicherliche einige Monate Arbeit erspart, weil es das so schön auf den Punkt bringt.

Felix Ruckert, Organisator der EURIX, hat dieses Konzept quasi für Shibari „übersetzt„, und auch wir in der Juku versuchen, das umzusetzen, und hat das meiner Meinung nach wirklich extrem gut umgesetzt.

Trotzdem bleibt die Frage spannend, wie man vor allem nonverbal den Konsens herausspüren und miteinander verhandeln kann. Wie kommt man also zu einem „Better Consent“?

Unser Gespräch inklusive Steffis toller Einführung zum Wheel of Consent habe ich Euch auch eingebettet.

Ropetube: Better Consent

Es wird auch ein Follow-Up zum Thema geben, dann hoffentlich mit mehr Einblicken aus den unteren beiden Quadranten des Wheel of Consent. Ich würde gerne mehr vom empfangenden Ende hören. So oder so, das Thema wird uns permanent begleiten und ich denke, dieser Ropetube hat da einiges an spannenden neuen Ideen eingebracht.

Die vorige Ropetubes haben wir natürlich auch für Euch hier bereitgestellt… schaut doch mal rein!

Yukimura-Ryû Prüfung zum 9. Kyû bestanden

Ja, es gibt gute Neuigkeiten! Am 27. Juni hat einer meiner langjährigen Schüler, Toprope aus Deutschland, seine Prüfung zum 9. Kyû im Yukimura-Ryû erfolgreich absolviert. Wir gratulieren ganz herzlich, es ist hochverdient und nach fünf Jahren intensiver Beschäftigung mit Yukimura-Ryû auch ein toller Meilenstein!

Übergabe Zertifikat 9. Kyû Yukimura-Ryû an Toprope durch Harukumo.

Wir sind wahnsinnig stolz, nicht nur auf die bestanden Prüfung, sondern auch auf die mittlerweile seit fünf Jahren bestehende Freundschaft. Mit freundlicher Erlaubnis des Prüflings haben wir ausserdem etwas besonderes für Euch: Einen Ausschnitt aus der Prüfung. Hier werden die Techniken des 9. Kyû gezeigt, das Video ist etwa die Hälfte des gesamten praktischen Teils der Prüfung gewesen.

Der 9. Kyû ist technisch noch wenig anspruchsvoll: Es wird der Grundanker unterrichtet sowie die Hand- und Fusschelle. Nur mit diesen simplen Techniken hat Toprope beinahe 17 Minuten lang gearbeitet! Das ist eine wirklich herausragende Leistung, die ich so nicht erwartet hätte. Das zeigt, wie sehr er es versteht, selbst mit minimalen Mitteln eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen… und das ist einer der wichtigsten Aspekte beim Yukimura-Ryû.

Dieser Fesselstil ist sehr subtil und darum schwer zu meistern. Mehr Informationen darüber, was das bedeutet, findet Ihr hier.

Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen und sind schon in den Vorbereitungen für den achten Kyû. Das wird wieder eine spannende Herausforderung. Ich freue mich darauf, Euch bald davon berichten zu können.

Neueröffnung

Glücklicherweise sind die Fallzahlen auf niedrigem Niveau stabil, und das seit dem 27. April. Mit etwas Glück und Umsicht lässt sich vielleicht so allmählich wieder zu einem „normalen“ Leben zurückkehren.

Auch wir fangen langsam wieder an und können wieder Privatlektionen mit Euch machen. Grössere Treffen sind natürlich nach wie vor nicht möglich, aber wir hoffen, dass sich im Laufe des Jahres alles weiter stabilisiert.

Ohne Hilfe wären wir allerdings nie so weit gekommen, und wie man sieht geht es doch in Gemeinschaft einfach besser! Letzten Samstag war auch Atrim Namor nochmal bei uns und hat tüchtig mit angepackt, damit wir die Tatami-Rahmen endlich fertig bekommen.

Nach einem arbeitsreichen Tag sah man dann auch gleich den Fortschritt, und es ist wirklich ein schönes Gefühl, das mit Euch teilen zu können.

Danach hatten sich die tapferen Handwerker natürlich noch ein Bierchen zur Belohnung verdient… es war ja auch ein echtes Stück Arbeit!

Tja, und so sieht es jetzt aus… die Bretter müssen noch lackiert werden, aber grundsätzlich ist jetzt die Tatami-Rahmung fertig! Es ist unglaublich, was das optisch ausmacht, obwohl es „nur“ ein Detail ist… und nachde die Bretter lasiert und lackiert waren und die zusätzlichen, farbigen Spots gesetzt waren… aber schaut selbst:

Danke der bunten Leuchten können wir unterschiedliche Stimmungen erzeugen und nicht nur dimmen. Was für ein Gefühl, wenn es dann wirklich so aussieht, wie man es sich gewünscht hat!

Wir freuen uns jedenfalls darauf, wieder Lessons mit Euch zu machen und, hoffentlich, wenn sich alles weiter so stabil verhält, auch bald wieder etwas grösseres zu organisieren.

Allerdings werden wir noch die kommenden Wochen abwarten, better safe than sorry…

Neustart für die Juku

Ihr wisst es ja schon, aber wir sind erfolgreich umgezogen und haben eine neue Lokation für die Juku gefunden. Im beschaulichen Koblenz an der Grenze zu Waldshut-Tiengen haben wir ein neues Zuhause gefunden und die Juku neu eingerichtet. Hier ist er also, unser Neustart!

Unser neues Zuhause nach erfolgreichem Neustart.

Ende Februar haben wir die Eröffnungsparty gefeiert und dank eurer regen Beteiligung war es ein wunderbarer Abend. Wir möchten uns ganz herzlich bei Euch allen bedanken. Wir haben so viel Unterstützung und Hilfe bekommen, dass es wirklich kaum zu glauben ist.

Auch für Eure Geschenke möchten wir uns noch einmal herzlichst bedanken. Die Juku war immer schon ein Gemeinschaftsprojekt, und wir sind stolz, dass diese Tradition auch am neuen Ort weitergeführt wird.

Ein Dankeschön für die Geschenke zum Neustart

Derzeit sind unsere Aktivitäten natürlich ziemlich reduziert wegen der Covid-Epidemie, auf unserer Event-Seite halten wir Euch aber auf dem Laufenden. Trotzdem hoffen wir, dass wir alle bald wieder ein einigermassen normales Leben, inklusive Fesseln, führen können.

Bis dahin: Bleibt Zuhause und wascht Euch die Hände! Wir hoffen sehr, dass wir bald wieder für Euch da sein können. Dann werden wir wieder gemeinsam fesseln, feiern, fröhlich sein!

Sobald wir aus dem Gröbsten heraus sind, machen wir einfach noch einen Neustart… darin haben wir ja mittlerweile alle ein wenig Übung. Shibari wird uns nicht weglaufen und wir sind überzeugt, dass wir das alles gemeinsam durchstehen werden.

Yukimura-ryû

Yukimura-ryû ist eine Spielart von Kinbaku, die von Yukimura Haruki entwickelt und mittlerweile weltweit unterrichtet wird. Als der achte zertifizierte Instruktor unter dem Bakushi-Namen „Harukumo“ habe ich die Harukumo-Juku eröffnet, die „Harukumo-Schule“.

Hier kann im Herzen der Schweiz erlernt werden, im Yukimura-Stil zu fesseln. Dieser Stil legt grossen Wert auf die Kommunikation zwischen den Beteiligten und ist, was die rein technische Fesselkunst betrifft, durch Einfachheit und Improvisation gekennzeichnet. Wesentlich sind harmonische, fliessende Bewegungen und geschickte Übergänge zwischen einzelnen Situationen und Posen.

Was macht Yukimura-Ryû besonders?

Der Stil wirkt zwar technisch wenig anspruchsvoll, setzt aber doch solides Grundlagenwissen und Fesselerfahrung voraus und ist daher eher für Fortgeschrittene FesslerInnen geeignet. Es wird hauptsächlich am Boden gefesselt („Newaza“), Hängefesslungen („Tsuri“) sind eher die Ausnahme (wenn auch durchaus möglich, wenn ein fortgeschrittenes Verständnis des Stils erworben ist).

Eine der grössten Stärken des Yukimura-ryû sind die fliessenden Übergänge zwischen sanftemund restriktivem Fesseln. Die enorme Bandbreite macht diesen Stil zu etwas Besonderem und auch als Ergänzung zu stärker technischen Stilen ist er ideal geeignet.

Technisch anspruchsvoll wird der Stil durch die enorme Effizienz. Jede Bewegung muss genau ausgeführt und im Timing perfekt sein. Nur dann kommt der Effekt voll zum Trage.

Einen Überblick über einige der Dinge, die diesen Stil ausmachen, findet ihr in diesem Blogeintrag.

Für wen ist der Stil interessant?

Yukimura-Ryû ist eher für Fortgeschrittene und setzt mindestens eine von zwei Fähigkeiten voraus.

Entweder: technisches Grundwissen im Shibari. Das subtile Spiel mit Emotionen und das Erzeugen von Gefühlen sind schwierig zu meistern. Darum hilft es, wenn die Lernenden schon technisches Grundwissen mitbringen, um sich voll auf diese Themen konzentrieren zu können.

Oder: Menschen, die schon Erfahrung mit intensivem emotionalem Austausch haben, können schnell Fortschritte erleben. Durch die simplen Übungsmuster ist die Lernkurve nicht so steil, was das reine Fesseln betrifft. Erfahrungen mit Yoga, Tantra, oder Tanz sind sehr gute Voraussetzungen, um direkt einsteigen zu können.

Osada-Instruktor Harukumo

Am 20. April 2019 wurde ein Traum für mich wahr. Nach vielen Jahren Training und Ausbildung wurde ich von Steve persönlich zum Osada-Instruktor ernannt. Seit diesem Tag gehöre ich zu den offiziell lehrberechtigten und kann endlich mein erworbenes Wissen an Euch weitergeben.

Übergabe der Osada-Instruktoren-Lizenz, Tokio, 20. April 2019. Danke an Steve, Michael Ropeknight und Yoko Sumii.
Übergabe der Osada-Instruktoren-Lizenz am 20. April 2019 im Studio SIX in Tokyo

Dies ist ein Meilenstein in meiner Entwicklung als Performer, aber auch als Lehrer. Nachdem mir Yukimura-sensei bereits 2014 den Auftrag mitgegeben hat, seinen Stil zu unterrichten und in seinem Geist weiter zu performen, kommt jetzt noch eine zusätzliche Verantwortung dazu.

Wie alles begann…

Der Weg war lang und begann bereits 2005, als ich das erste Mal im Studio SIX zu Gast war, und lange Zeit war gar nicht sicher, ob ich überhaupt jemals lernen würde, Shibari zu machen. Nach einem ersten Workshop in Deutschland hatte ich durchaus Zweifel, ob ich überhaupt das richtige Gefühl in den Fingerspitzen hatte.

Aber meine Zeit im Studio SIX und das Engagement haben Früchte getragen!

Dazu sei zu sagen, dass Harukumo mir seit 2005 als Männchen für alles im Dojo zur Hand ging, und über die Jahre sich zum Muster- und Vorzeigeschüler emporarbeitete.
Lies: Nach 14 Jahren intensiver Befassung mit Osada-ryu ist hiermit ersichtlich, dass eine Instruktoren-Lizenz nicht mal ebenso im Fernstudium verliehen wird

Osada Steve

Der Osada-Instruktor der Zukunft

Mit dem neuen Auftrag, das Osada-Ryû weiter bekannt zu machen starten wir also in eine neue Zeit. Als Osada-Instruktor werde ich ab sofort Unterricht und Workshop basierend auf Osada-Ryû anbieten. Die Konzepte und Ideen sprudeln fleissig, und wir bereiten auch schon die ersten Prüfungen vor.

Es ist unser Ziel, das Osada-Ryû nicht nur bekannter zu machen, sondern es auch weiter zu verbreiten. Diese Art zu fesseln erlaubt so wunderbare Momente, dass ich es kaum erwarten kann, meine Leidenschaft mit anderen zu teilen.

Videolessons über Vimeo: Jederzeit verfügbar

Wir bieten Videolessons an. Das heisst, wir nehmen Eure Lessons auf und laden sie für Euch auf Vimeo hoch. Keine Bange, nur Ihr habt am Ende Zugriff auf diese Videos. So könnt Ihr in Ruhe die Lektionen noch einmal anschauen, wann immer Ihr wollt.

Ready to Teach

Es ist ganz einfach: Wir stellen den Camcorder auf und zeichnen Eure Lesson auf. Dann laden wir es über unser Vimeo-Profil hoch. Um Eure Privatsphäre zu schützen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Passwortschutz auf den Videos
  2. Freigabe der Videos für Euren Usernamen
  3. Sammlung der Videos in einem „Album“ und Freigabe des Albums mit Passwortschutz

Wir laden generell keine Videos von Lessons hoch, ohne sie vor unbefugtem Zugriff zu schützen und natürlich auch nicht ohne Eure Einwilligung. Es soll einfach ein zusätzlicher Service sein, um Euren Nutzen aus den Lessons weiter zu erhöhen.

Videolessons helfen Euch, bestimmte Techniken besser nachzuvollziehen. Ausserdem könnt Ihr so Eure Entwicklung über die Zeit sehr gut beobachten und seht Eure Fortschritte wachsen!

Passwortschutz

Mit dem Passwort und dem Link, die wir Euch zuschicken, könnt Ihr die Videos dann auf der Vimeo-Seite oder in der App anschauen. Der Nachteil ist, dass Ihr jedes Mal das PW neu eingeben müsst.

Video-Lesson Freigabe für Usernamen

Je nachdem, was für Euch besser funktioniert, könnt Ihr Euch einen (kostenlosen) Useraccount erstellen, uns Eure Usernamen mitteilen, und wir geben die Videos für Eure Usernamen frei. Das hat den Vorteil, dass Ihr über die Vimeo-Website oder die App jederzeit und überall Zugriff auf Eure Lessons habt, ohne Euch jedes Mal neu einloggen zu müssen.

Freigabe eines geschützten Vimeo-Albums

Um die Gesamtübersicht zu behalten, sammle ich alle Videos in einem Album, das nur die Videos der einzelnen Lernenden enthält. Das Album bekommt ein Passwort, und mit einer Eingabe könnt Ihr alle Videos in dem Album anschauen. Auf diese Weise habt Ihr immer alles im Blick, chronologisch sortiert.

Natürlich ist das ein freiwilliger Service, Ihr könnt gerne Eure eigene SDXC Karte mitbringen und die Daten offline selbst verwalten und es steht Euch natürlich frei, Eure Lessons gar nicht aufzeichnen zu lassen. Aber ich persönlich habe in Japan gute Erfahrungen gemacht, Lessons auf Video aufzunehmen und mit den Videos auch meine Notizen nochmal zu verifizieren.

Review: Osada-Workshops 2018

Yoko während der Live-Performance mit Osada Steve in der Harukumo-Juku

Im August hatten wir das erste Mal Steve bei uns zu Gast. Nachdem Yoko und ich beinahe zwei Jahre lang darauf hingearbeitet haben, war es endlich soweit, und Steve kam uns in der Schweiz besuchen und die berühmten Osada-Workshops endlich auch direkt bei uns zu organisieren.

In der Juku konnten wir ihn unterbringen und hier fand auch der Einzelunterricht statt. Yoko und ich habe die Stunden unterstützt, indem wir für die Lernenden Fotos und auf Wunsch Videos gemacht haben, so dass sich die Lerndenen und ihre Modelle voll auf die Lektionen konzentrieren konnten.

Inhaltlich stand die Interaktion zwischen dem Fesselnden und dem Modell im Vordergrund. Subtilität, Zurückhaltung und das Verstehen seines Gegenübers waren dabei die wichtigen Inhalte. Meistens wurde am Boden gefesselt, mit nur zwei bis drei Seilen, und zahlreiche Techniken waren inspiriert von Yukimura-ryû.

Es war für mich eine grosse Ehre, nicht nur, dass Steve so lange bei uns war, sondern auch, mitzuerleben, wie sich die Lernenden voller Neugier und Offenheit auf diese Herausforderungen eingelassen haben.

Osada-Workshops sind eine tolle Gelegenheit, sich in einer kleinen Gruppe mit dem Stil vertraut zu machen. Ausserdem spielt ide Gruppendynamik bei diesen Workshops eine grosse Rolle, so dass das Erleben nochmal intensiver wird.

Es ermöglicht uns ausserdem, so mehr Leuten Zugang zum Osada-Ryû zu geben, als wenn wir nur Einzel-Lektionen organisieren.

Neben den Einzelstunden hatten wir natürlich auch noch die Workshops. Zwei jeweils eintägige Workshop und einen zweitägigen Workshop konnten wir anbieten, so dass sowohl für unser Schweizer Freunde und Bekannten als auch für unsere Freunde im Ausland genug Möglichkeiten bestanden, von Steve zu lernen.

Neben den Workshops in der Juku hat Steve ausserdem an einem dritten Wochenende an zwei Tagesworkshops im Secret56 unterrichtet. Mit den Macherns des Secret sind wir ja seit langem eng befreundet, und als wir im Frühjar 2018 die Zusage hatten, dass Steve kommen würde, haben wir natürlich gleich den Kontakt gesucht. Durch die Vernetzung konnten wir einer noch grösseren Gruppe die Gelegenheit bieten, direkt bei Steve zu lernen, ohne nach Japan gehen zu müssen.

Die Workshops im Secret waren für grössere Gruppen ausgerichtet als in der Juku, so dass während der zwei Tage neben Yoko und mir auch Vinciens und Kenyade aus Wien als Co-Instruktoren eingeladen waren. Auf diese Weise konnten wir die hohe Betreuungsqualität aufrecht erhalten und dafür sorgen, dass alle Teilnehmenden ideal betreut waren.

Wir haben alle viel gelernt in diesen drei, fast vier sehr intensiven Wochen. Es war das bisher grösste Projekt der Juku, und auch wenn wir hier und da ein wenig improvisieren mussten, lief doch alles sehr gut. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was das noch junge Jahr 2019 uns bringen wird!

Shibari-Interviews online!

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich ein kleines Videoprojekt begonnen. Ich wollte Shibari-Interviews führen, um fesselnde Menschen und Menschen, die sich fesseln lassen, mal ganz ungeschminkt zu zeigen. Hier möchte ich Euch kurz ein paar Hintergrundinformationen zu dem Projekt liefern… die Videos findet Ihr hier oder auf unserem Youtube-Channel.

Das Interview-Konzept

Der Clou: Meine Interviewpartner kannten die Fragen vor dem Interview nicht, mussten also spontan antworten. Dadurch waren die Antworten spontan und authentisch. Ich habe allen Interviewpartnern dieselben Fragen gestellt und so verschiedene Perspektiven einfangen können.

Dadurch hoffe ich, einerseits die Vielfalt der Erfahrungen abzubilden und gleichzeitig auch meinen Horizont zu erweitern, weil mich einige der Themen, zu denen ich Fragen gestellt habe, ja auch persönlich interessieren.

Das Interview ist in zwei Teile gegliedert: Allgemeine Fragen zu Technik, Ästhetik, Inspirationen und einen persönlichen Teil. Der zweite Teil geht stärker in die Tiefe und enthält Fragen nach dem eigenen Erleben der Interviewten sowie ihrem Verhältnis zum Fesseln und den Fesselpartnern.

Als Gesprächspartner habe ich mir ein paar meiner Freunde ausgesucht. Alle dieser Personen sind seit langen Jahren in der Fesselszene aktiv und haben umfangreiche Erfahrungen sammeln können. Ausserdem sind sie in einer grossen Bandbreite aktiv: Fesseln/sich fesseln lassen, unterrichten, ein Dojo oder eine Schule betreiben, Events organisieren, und so weiter. Dieses Raster war sehr grob, und natürlich spielte es auch eine Rolle, ob die Leute einerseits bereit sind, sich von mir interviewen zu lassen und auch genug öffentlichkeitsaffin sind, damit ich die Interviews hinterher veröffentlichen kann.

Die Technik

Die Videos habe ich mit meiner Nikon D750 aufgenommen, als Mikrofon habe ich eine Funkstrecke von Rode benutzt, das Rode Filmmaker Kit.

Die Nikon erlaubt Aufnahmen in Full HD, was mir wichtig war, und vor allem konnte ich so meine teure Ausrüstung mal auf eine neue Weise nutzen. Ich wollte ausserdem ein dezentes Mikrofon, das maximale Freiheit erlaubt, und gleichzeitig einen guten Ton abgibt, ohne, dass ich es komplex mischen muss. Und eine Funkstrecke ist auch einfach cool!

Für die Videobearbeitung habe ich Premiere Pro von Adobe genutzt, und ich muss sagen, es ging viel einfacher und intuitiver, als ich gedacht hätte. Bis allerdings der Vorspann fertig war, die passende (lizenzfreie!) Musik gefunden und heruntergeladen war, und die Fliesstexte langsam genug zum Mitlesen durchliefen, hat es einige Stunden Arbeit gebraucht.

Hochgeladen habe ich dann alles auf einem eigens eingerichteten Youtube-Kanal für die Juku. Erst mal nur als privat, damit ich weiter arbeiten konnte, ohne, dass sie schon öffentlich verfügbar waren. So konnte ich meinen Interviewpartnern Zugriff gewähren und ihr Feedback abholen, und dann alles finalisieren.

Die Shibari-Erkenntnis

Shibari funktioniert auf eine gewisse Weise. Es gibt eine innere Logik, und ästhetische Prinzipien. Bestimmte Fesseltechniken prägen den Umgang zwischen den Beteiligten. Gleichzeitig bringen wir alle bestimmte Erfahrungen mit. Aus unseren Beziehungen, unseren Hobbies, unseren früheren Erlebnissen, kurz: unserem gesamten Leben. Doch wie kommen wir denn zur „Shibari-Erkenntnis“?

In den Lessons habe ich bemerkt, dass Ihr alle Euch Shibari anders zu eigen macht. Wir alle greifen beim Lernen auf ganz bestimmte Erfahrungen zurück, um die Fessel-Situationen zu begreifen und in den eigenen Erfahrungshorizont einzubetten.

Manche von Euch orientieren sich am Tanzen. Das bedeutet, Ihr konzentriert Euch auf elegante, weiche, rhythmische Bewegungen. Und Ihr seid dabei sehr auf den Partner und seine Bewegungen konzentriert. Andere setzen komplexe visuelle Bilder um und ziehen Ihr Verständnis aus der visuellen Ebene. Ich selbst orientiere mich an den Gefühlen, die in mir ausgelöst werden.

Für mich als Lehrer ist es eine der grössten Herausforderungen, Euren Erfahrungshintergrund in Eurem Fesseln zu sehen, zu erkennen, und wertzuschätzen, denn dieses macht einen wichtigen Teil Eures Stils aus und trägt massgeblich zu Eurer Qualität als Fesselnde bei.

Wir alle haben andere Wege zur Erkenntnis. Ich selbst lerne nicht besonders viel daraus, mir Bilder oder Videos anzuschauen. Dafür lerne ich viel, wenn ich mit anderen zusammen Techniken ausprobiere. Wichtig ist dabei, dass es nicht „bessere“ oder „schlechtere“ Wege zur Shibari-Erkenntnis gibt. Das, was für mich funktioniert, ist das, was ich tun sollte.

Wer sehr gut visuell lernt, sollte sich mit dem Konzept des „Minarabi“ vertraut machen.

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