Autor: Harukumo Katsumi Seite 1 von 2

Osada-Workshops Review

Im September hat uns Osada Steve in der Schweiz besucht. In Gruppen- und Privatunterricht wurde dabei einiges an Techniken neu unterrichtet und bestehendes Wissen vertieft.

Wir möchten uns zuerst bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken. Es war toll, mit Euch zu arbeiten, und vor allem war es toll, zu sehen, wie Ihr mit den Techniken experimentiert habt. Vieles von dem, was thematisiert wurde, war ja nicht bloss eine Frage der Technik, sondern vor allem eine Frage der richtigen Anwendung.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom 07.09.2019

Die Bandbreite an Erfahrung, die Ihr mitgebracht habt, war doch recht gross, so dass es nicht immer einfach war, die Gruppe zusammen von Thema zu Thema zu begleiten. Dies ist einer der Gründe, warum wir gerne mit kleineren Gruppen arbeiten, damit immer ein Ansprechpartner verfügbar ist und weiterhelfen kann. Wir hoffen, dass wir das auch entsprechend umsetzen konnten.

Im Zentrum stand vor allem die Kommunikation mit dem Gegenüber, was ja immer eine besondere Herausforderung ist, wenn das Pattern komplexer wird oder es sogar in die Suspension geht. Es ist jedes Mal spannend zu sehen, wie die einzelnen Paare mit ihren eigenen Erfahrungen und Zielen an die Übungen herangehen und was daraus wird, wenn sich das miteinander verbindet.

Was haben wir denn jetzt eigentlich alles gefesselt, und was war die Idee dahinter? Grundsätzlich gab es in den Workshops zwei Blöcke. Die ersten 3 Stunden haben wir mit Bodentechniken zugebracht.

Intensives Zuschauen und Beobachten sind wichtiger Teil der Arbeit im Shibari. „Minarabi“ wird das genannt, Lernen durch Zuschauen. Nur, wer den Lehrer intensiv beobachtet, darf darauf hoffen, irgendwann auch die subtilen verborgenen Techniken zu erkennen und zu verstehen.

Osada Steve, 2019

Bei den Bodentechniken ging es einerseits um intensive Begrüssungs-Fesslungen. Diese helfen dabei, die Stimmung des Partners sowie die Art der Kommunikation des Partners verstehen zu lernen. So stimmt man sich aufeinander ein, wie zwei Instrumente, die auf dieselbe Tonlage gebracht werden müssen. Ausserdem werden die Beweglichkeit des Partners sowie die eigenen Fingerfertigkeit trainiert. Durch den fliessenden Übergang zwischen den einzelnen Formen lässt sich ausserdem ein sanfter Start in die Shibari-Begegnung einleiten, so dass man den Alltag besser hinter sich lassen kann.

Als Vorbereitung für die später folgenden Suspensionen wurden dann Oberkörper-Fesslungen geübt, die vor allem eines gemeinsam hatten: Die Arme wurden seitlich neben oder vor dem Körper fixiert. Es gibt immer wieder Situationen, in denen es nicht so leicht ist, die Arme längere Zeit hinter dem Rücken zu halten, und durch die gezeigten Pattern (unter anderem das Gottesanbeterinnen-Pattern („Kamakiri-shibari„) lassen sich nicht nur neue Bilder, sondern auch deutlich schonendere Pattern entfalten.

Ein weiterer Trend, der seit einiger Zeit von Japan her in den Westen vordringt, ist der Einsatz von Flaschenzügen. Flaschenzüge erlauben es, komplexe Pattern bereits komplett vorzubereiten, um dann mit reduziertem Kraftaufwand den Körper sanft in die Luft zu bringen. Ein klassisches Beispiel wäre die Ebi-zuri, aber auch in vielen anderen Momenten ist das eine interessante Variante. Vor allem, wenn zu Beginn der Begegnung keine Suspension geplant war, aber sich ein stabiles Pattern entwickelt, lässt sich so auch noch spontan eine Suspension realisieren.

For the first time, I managed to intimately connect with my partner. That was something I have been struggling with for quite some time.

G. Teilnehmer im Workshop vom 14.09. 2019

Wir haben einiges an positivem Feedback bekommen, und wir sind sehr froh, dass wir unseren Teilnehmenden eine gute Zeit und viele spanennde neue Erfahrungen haben ermöglichen können. Die Kurse waren international besetzt, mit Teilnehmenden aus Deutschland, der Schweiz, den USA, Finnland und Polen, und das alles im Verlauf von nur etwas mehr als zwei Wochen!

Alles in allem war es eine intensive Zeit mit wenig Schlaf und vielen Stunden voller Inspiration, von denen wir noch lange zehren werden. Vielen Dank an Euch alle, mit Eurer Energie, Eurem Engagement und Eurem Elan habt Ihr diese Tage zu etwas besonderem gemacht. Ohne Euch wäre es nicht möglich gewesen, diese tollen Events durchzuführen, und wir freuen uns darauf, Euch bald wiederzusehen!

Workshop in Helsinki

Poetry in Ropes – Einführung in Yukimura-Ryû

Im Frühling 2018 haben Yoko und ich Nagor aus Finnland im Studio SIX kennengelernt. Wir waren uns sofort sympatisch, und das intensive, gemeinsame Arbeiten im Haupt-Dôjô des Osada-Ryû brachte uns schnell noch näher zusammen. Seitdem stehen wir regelmässig in Kontakt.

Bei einem seiner Besuche in der Juku in 2018 kam die Idee auf, einen Yukimura-Ryû-Workshop in Helsinki zu organisieren. Die Shibari-Szene dort ist klein, aber engagiert und dynamisch, und Nagor spielt eine wichtige Rolle in der Organisation. Als Veranstalter, Lehrer und Ansprechpartner leistet er dabei Pionierarbeit und ist dabei noch ein herausragender Performer und Lehrer.

Während Nagor und seine Shibari-Partnerin Feline damit begannen, in der Community zu werben und eine Teilnehmer-Gruppe zusammenzustellen, entwickelte ich ein Workshop-Programm. Einerseits wollte ich wesentliche Grundelemente von Yukimura-Ryû zu vermitteln, andererseits aber auch genug Raum lassen, dass die Teilnehmenden sich die Techniken zu eigen machen können.

Das Programm habe ich dann nochmal mit Nagor abgestimmt, und los ging es. Alles in allem waren wir an einem Sonntag in Helsinki im alten Club X sieben Stunden (!) am Üben. Es war eine spannende Erfahrung, zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Paare mit den Techniken umgegangen sind. Die wesentlichen Aspekte hatten alle schnell verinnerlicht, was dadurch erleichtert wurde, dass mich Nagor und Feline hervorragend unterstützt haben.

Ursprünglich war der Kurs für fünf Paare konzipiert, aber weil die Nachfrage so gross war (und mir Nagor und Feline versichert haben, dass sie die Gruppe gut kennen und sie mich unterstützen würden) hatten wir am Ende sieben Paare vor Ort. Wow!

Club X ist eigentlich nicht für grössere Shibari-Events ausgelegt, also mussten wir ein paar Hängepunkte improvisieren, aber am Ende hatten wir genug Platz für alle.

Nach einer kurzen Einführung in die theoretischen Grundlagen begannen wir auch gleich mit den ersten praktischen Übungen. Ich war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der die Teilnehmenden sich mit den Techniken befasst haben.

Die Dynamik war unglaublich und was als Praxisübung anfing, entfaltete schnell eine Eigendynamik und nach kurzer Zeit konnte man schon sehen, wie sich die neuen Lerninhalte und die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse der Teilnehmenden ergänzten.

Es war eine wunderbare Erfahrung, und ich hoffe, dass ich sehr bald wieder in Helsinki sein kann!

Yukimura-ryû

Yukimura-ryû ist eine Spielart von Kinbaku, die von Yukimura Haruki entwickelt und mittlerweile weltweit unterrichtet wird. Als der achte zertifizierte Instruktor unter dem Bakushi-Namen „Harukumo“ habe ich die Harukumo-Juku eröffnet, die „Harukumo-Schule“.

Hier kann im Herzen der Schweiz erlernt werden, im Yukimura-Stil zu fesseln. Dieser Stil legt grossen Wert auf die Kommunikation zwischen den Beteiligten und ist, was die rein technische Fesselkunst betrifft, durch Einfachheit und Improvisation gekennzeichnet. Wesentlich sind harmonische, fliessende Bewegungen und geschickte Übergänge zwischen einzelnen Situationen und Posen.

Der Stil wirkt zwar technisch wenig anspruchsvoll, setzt aber doch solides Grundlagenwissen und Fesselerfahrung voraus und ist daher eher für Fortgeschrittene FesslerInnen geeignet. Es wird hauptsächlich am Boden gefesselt („Newaza“), Hängefesslungen („Tsuri“) sind eher die Ausnahme (wenn auch durchaus möglich, wenn ein fortgeschrittenes Verständnis des Stils erworben ist).

Eine der grössten Stärken des Stils ist es, dass er fliessende Übergänge zwischen sanftem hin zu restriktivem Fesseln erlaubt (und natürlich auch zurück). Die enorme Bandbreite macht diesen Stil zu etwas Besonderem und auch als Ergänzung zu stärker technischen Stilen ist er ideal geeignet.

Einen Überblick über einige der Dinge, die diesen Stil ausmachen, findet ihr in diesem Blogeintrag.

Instruktoren-Lizenz

Am 20. April 2019 wurde ein Traum für mich wahr. Nach vielen Jahren Training und Ausbildung bekam ich von Steve persönlich die Instruktoren-Lizenz überreicht bekommen. Seit diesem Tag bin ich offiziell lizensierter Osada-Ryû Instruktor.

Übergabe der Instruktoren-Lizenz am 20. April 2019 im Studio SIX in Tokyo

Dies ist ein Meilenstein in meiner Entwicklung als Performer, aber auch als Lehrer. Nachdem mir Yukimura-sensei bereits 2014 den Auftrag mitgegeben hat, seinen Stil zu unterrichten und in seinem Geist weiter zu performen, kommt jetzt noch eine zusätzliche Verantwortung dazu.

Der Weg war lang und begann bereits 2005, als ich das erste Mal im Studio SIX zu Gast war, und lange Zeit war gar nicht sicher, ob ich überhaupt jemals lernen würde, Shibari zu machen. Nach einem ersten Workshop in Deutschland hatte ich durchaus Zweifel, ob ich überhaupt das richtige Gefühl in den Fingerspitzen hatte.

Aber meine Zeit im Studio SIX und das Engagement haben Früchte getragen!

Dazu sei zu sagen, dass Harukumo mir seit 2005 als Männchen für alles im Dojo zur Hand ging, und über die Jahre sich zum Muster- und Vorzeigeschüler emporarbeitete.
Lies: Nach 14 Jahren intensiver Befassung mit Osada-ryu ist hiermit ersichtlich, dass eine Instruktoren-Lizenz nicht mal ebenso im Fernstudium verliehen wird

Osada Steve

Videolessons über Vimeo

Ready to Teach

Wir haben eine Neuigkeit: Ab sofort bieten wir Euch an, Eure Lessons live auf Video aufzunehmen. Wir haben einen Vimeo-Account eingerichtet, und wenn Ihr möchtet, können wir Euch dort Eure Lesson-Videos (passwortgeschützt) und nur für Eure Augen bestimmt verfügbar machen.

Es ist ganz einfach: Wir stellen den Camcorder auf und zeichnen Eure Lesson auf. Dann laden wir es über unser Vimeo-Profil hoch. Um Eure Privatsphäre zu schützen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Passwortschutz auf den Videos
  2. Freigabe der Videos für Euren Usernamen
  3. Sammlung der Videos in einem „Album“ und Freigabe des Albums mit Passwortschutz

Wir laden generell keine Videos von Lessons hoch, ohne sie vor unbefugtem Zugriff zu schützen und natürlich auch nicht ohne Eure Einwilligung. Es soll einfach ein zusätzlicher Service sein, um Euren Nutzen aus den Lessons weiter zu erhöhen.

Passwortschutz

Mit dem Passwort und dem Link, die wir Euch zuschicken, könnt Ihr die Videos dann auf der Vimeo-Seite oder in der App anschauen. Der Nachteil ist, dass Ihr jedes Mal das PW neu eingeben müsst.

Freigabe für Usernamen

Je nachdem, was für Euch besser funktioniert, könnt Ihr Euch einen (kostenlosen) Useraccount erstellen, uns Eure Usernamen mitteilen, und wir geben die Videos für Eure Usernamen frei. Das hat den Vorteil, dass Ihr über die Vimeo-Website oder die App jederzeit und überall Zugriff auf Eure Lessons habt, ohne Euch jedes Mal neu einloggen zu müssen.

Freigabe eines passwortgeschützten Albums

Um die Gesamtübersicht zu behalten, sammle ich alle Videos in einem Album, das nur die Videos der einzelnen Lernenden enthält. Das Album bekommt ein Passwort, und mit einer Eingabe könnt Ihr alle Videos in dem Album anschauen. Auf diese Weise habt Ihr immer alles im Blick, chronologisch sortiert.

Natürlich ist das ein freiwilliger Service, Ihr könnt gerne Eure eigene SDXC Karte mitbringen und die Daten offline selbst verwalten und es steht Euch natürlich frei, Eure Lessons gar nicht aufzeichnen zu lassen. Aber ich persönlich habe in Japan gute Erfahrungen gemacht, Lessons auf Video aufzunehmen und mit den Videos auch meine Notizen nochmal zu verifizieren.

Review: Osada Steve in der Schweiz – Die Workshops

Workshops und Einzelstunden

Im August hatten wir das erste Mal Steve bei uns zu Gast. Nachdem Yoko und ich beinahe zwei Jahre lang darauf hingearbeitet haben, war es endlich soweit, und Steve kam uns in der Schweiz besuchen.

In der Juku konnten wir ihn unterbringen und hier fand auch der Einzelunterricht statt. Yoko und ich habe die Stunden unterstützt, indem wir für die Lernenden Fotos und auf Wunsch Videos gemacht haben, so dass sich die Lerndenen und ihre Modelle voll auf die Lektionen konzentrieren konnten.

Inhaltlich stand die Interaktion zwischen dem Fesselnden und dem Modell im Vordergrund. Subtilität, Zurückhaltung und das Verstehen seines Gegenübers waren dabei die wichtigen Inhalte. Meistens wurde am Boden gefesselt, mit nur zwei bis drei Seilen, und zahlreiche Techniken waren inspiriert von Yukimura-ryû.

Es war für mich eine grosse Ehre, nicht nur, dass Steve so lange bei uns war, sondern auch, mitzuerleben, wie sich die Lernenden voller Neugier und Offenheit auf diese Herausforderungen eingelassen haben.

Neben den Einzelstunden hatten wir natürlich auch noch die Workshops. Zwei jeweils eintägige Workshop und einen zweitägigen Workshop konnten wir anbieten, so dass sowohl für unser Schweizer Freunde und Bekannten als auch für unsere Freunde im Ausland genug Möglichkeiten bestanden, von Steve zu lernen.

Neben den Workshops in der Juku hat Steve ausserdem an einem dritten Wochenende an zwei Tagesworkshops im Secret56 unterrichtet. Mit den Macherns des Secret sind wir ja seit langem eng befreundet, und als wir im Frühjar 2018 die Zusage hatten, dass Steve kommen würde, haben wir natürlich gleich den Kontakt gesucht. Durch die Vernetzung konnten wir einer noch grösseren Gruppe die Gelegenheit bieten, direkt bei Steve zu lernen, ohne nach Japan gehen zu müssen.

Die Workshops im Secret waren für grössere Gruppen ausgerichtet als in der Juku, so dass während der zwei Tage neben Yoko und mir auch Vinciens und Kenyade aus Wien als Co-Instruktoren eingeladen waren. Auf diese Weise konnten wir die hohe Betreuungsqualität aufrecht erhalten und dafür sorgen, dass alle Teilnehmenden ideal betreut waren.

Wir haben alle viel gelernt in diesen drei, fast vier sehr intensiven Wochen. Es war das bisher grösste Projekt der Juku, und auch wenn wir hier und da ein wenig improvisieren mussten, lief doch alles sehr gut. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was das noch junge Jahr 2019 uns bringen wird!

Shibari-Interviews online!

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich ein Intervieprojekt begonnen. Mein Ziel war es, fesselnde Menschen und Menschen, die sich fesseln lassen, mit einem fixen Fragenkatalog zu interviewen und so ihre Erfahrungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Hier möchte ich Euch kurz ein paar Hintergrundinformationen zu dem Projekt liefern… die Videos findet Ihr hier oder auf unserem Youtube-Channel.

Das Konzept

Der Clou: Meine Interviewpartner kannten die Fragen vor dem Interview nicht, mussten also spontan antworten. Dadurch habe ich mir mehr Spontanität und Authentizität erhofft. Der einheitliche Fragenkatalog sollte am Ende dazu führen, dass man unterschiedliche Meinungen zum gleichen Thema bekommt.

Dadurch hoffe ich, einerseits die Vielfalt der Erfahrungen abzubilden und gleichzeitig auch meinen Horizont zu erweitern, weil mich einige der Themen, zu denen ich Fragen gestellt habe, ja auch persönlich interessieren.

Das Interview ist in zwei Teile gegliedert: Allgemeine Fragen zu Technik, Ästhetik, Inspirationen, und einen persönlicheren Teil. Der zweite Teil soll etwas „in die Tiefe“ gehen, und enthält Fragen nach dem eigenen Erleben der Interviewten sowie ihrem Verhältnis zum Fesseln und den Fesselpartnern.

Als Gesprächspartner habe ich mir ein paar meiner Freunde ausgesucht. Alle dieser Personen sind seit langen Jahren in der Fesselszene aktiv und haben umfangreiche Erfahrungen sammeln können. Ausserdem sind sie in einer grossen Bandbreite aktiv: Fesseln/sich fesseln lassen, unterrichten, ein Dojo oder eine Schule betreiben, Events organisieren, und so weiter. Dieses Raster war sehr grob, und natürlich spielte es auch eine Rolle, ob die Leute einerseits bereit sind, sich von mir interviewen zu lassen und auch genug öffentlichkeitsaffin sind, damit ich die Interviews hinterher veröffentlichen kann.

Die Technik

Die Videos habe ich mit meiner Nikon D750 aufgenommen, als Mikrofon habe ich eine Funkstrecke von Rode benutzt, das Rode Filmmaker Kit.

Die Nikon erlaubt Aufnahmen in Full HD, was mir wichtig war, und vor allem konnte ich so meine teure Ausrüstung mal auf eine neue Weise nutzen. Ich wollte ausserdem ein dezentes Mikrofon, das maximale Freiheit erlaubt, und gleichzeitig einen guten Ton abgibt, ohne, dass ich es komplex mischen muss. Und eine Funkstrecke ist auch einfach cool!

Für die Videobearbeitung habe ich Premiere Pro von Adobe genutzt, und ich muss sagen, es ging viel einfacher und intuitiver, als ich gedacht hätte. Bis allerdings der Vorspann fertig war, die passende (lizenzfreie!) Musik gefunden und heruntergeladen war, und die Fliesstexte langsam genug zum Mitlesen durchliefen, hat es einige Stunden Arbeit gebraucht.

Hochgeladen habe ich dann alles auf einem eigens eingerichteten Youtube-Kanal für die Juku. Erst mal nur als privat, damit ich weiter arbeiten konnte, ohne, dass sie schon öffentlich verfügbar waren. So konnte ich meinen Interviewpartnern Zugriff gewähren und ihr Feedback abholen, und dann alles finalisieren.

Die Shibari-Erkenntnis

Shibari funktioniert auf eine gewisse Weise. Es gibt eine Art innerer Logik, die sich in ästhetischen Prinzipien, bestimmten Fesseltechniken, dem Umgang zwischen den Beteiligten und anderen Faktoren ausdrückt.

Gleichzeitig bringen wir alle bestimmte Erfahrungen mit. Aus unseren Beziehungen, unseren Hobbies, unseren früheren Erlebnissen, kurz: unserem gesamten Leben.

In den Lessons habe ich jetzt, gerade in den letzten Wochen, bemerkt, dass jede und jeder von Euch sich Shibari anders zu eigen macht. Jede und jeder von euch (oder besser: uns!) greift beim Lernen auf ganz bestimmte Erfahrungen zurück, um bestimmte Fessel-Situationen zu begreifen und in den eigenen Erfahrungshorizont einzubetten.

Manche von Euch orientieren sich am Tanzen, was sich in eleganten, weichen, rhythmischen und sehr auf den Partner fixierten Bewegungen zeigt. Andere setzen komplexe visuelle Bilder um und ziehen eine Menge Verständnis aus genau dieser visuellen Ebene. Ich selbst ziehe ganz viel aus, naja, Sex im weiteren Sinne.

Für mich als Lehrer ist es eine der grössten Herausforderungen, Euren Erfahrungshintergrund in Eurem Fesseln zu sehen, zu erkennen, und wertzuschätzen, denn dieses macht einen wichtigen Teil Eures Stils aus und trägt massgeblich zu Eurer Qualität als Fesselnde bei.

Wie seht Ihr das?

Yukimura Ryû? Osada Ryû? Wo ist der Unterschied?

Ich werde immer wieder gefragt, was eigentlich die einzelnen Stile ausmacht oder wie sie sich unterscheiden. Die Antwort darauf ist nicht immer einfach oder leicht zu geben, aber als ich neulich mit meinem Modell genau darüber gesprochen habe, hat sie es so schön gesagt, dass ich sie gebeten habe, es aufzuschreiben.

Die folgenden Texte sind genau so, wie sie sie mir geschickt hat und ich möchte sie gerne mit ihrem Einverständnis Euch auch zugänglich machen.

Yukimura-Ryû

Diese Art des Fesseln stellt für mich eine grosse Herausforderung dar und widerspiegelt die Unterwerfung. Die Interaktion ist oft auf ein Minimum reduziert und die Signale, die von dir an mich gelangen sind subtil. Schliesse ich die Augen, so fühle ich mich oft ganz alleine. Weil du mich in meinem Kopf alleine lässt. Ich muss die „Stille“ aushalten und achte auf jede Kleinigkeit. Und jedesmal muss ich selber entscheiden ob ich warte oder nicht. Ob ich etwas probiere oder nicht. Jede Anweisung ist dann wie eine Erlösung. Eine Erlösung die du kontrollierst und wie eine Verdurstende nehme ich sie entgegen. Du bist das Zentrum von dem was passiert, oder eben nicht passiert.

Ganz schwierig wird es, wenn du mich zwingst, mich von dir wegzudrehen. Ich kann dich nicht sehen, nicht spüren und wenn ich dann versuch mein Gesicht zu dir zu drehen, so stösst du es mit dem Fuss weg. Yikumury-Ryu tut in der Seele weh, nicht körperlich. Die Emotionen finden in meinem Kopf statt. Und du als Fesselnder weisst das. Warum denn sonst die tröstenden Worte und Gesten? Wenn dann die Berührungen und die Interaktion endlich zunimmt, dann ist es überwältigend und von einer ganz einen Art der Lust geprägt. Dafür Worte zu finden gelingt mir nicht.

Dadurch, dass diese Art zu fesseln so intim ist, fühlt es sich umso entblössender an, wenn du dann das Oberteil nach unten schiebst und alle es sehen können. Vor allem dann, wenn ich nur eine Handfessel trage. Ich könnte aufstehen und davon laufen. Tue es aber nicht. Fast immer hätte man genug Spielraum, sich wegzudrehen. Die Scham liegt nicht im Entblößt werden, sondern im Aufgeben. Irgendwie lässt man es zu. Es ist ein freiwilliges Unterwerfen und alle können es sehen. Im Nachhinein ist das of schwierig für mich zu akzeptieren. Klar, du würdest unterbinden oder sanktionieren, wenn ich meinen zugewiesenen Raum verlasse.

Aber soweit denke ich in diesem Moment schon lange nicht mehr.

Osada-Ryû

Diese Art zu Fesseln widerspiegelt für mich die Hingabe.  Es wird still im Kopf. Es ist wie eine Erlösung. Es ist die Kompression, die Hilflosigkeit und der Schmerz. All das nimmt den Platz im Kopf ein, wo sonst die Gedanken sind.

Es sind Ankerpunkte, auf die ich mich so stark konzentrieren kann, bis alles um mich herum verschwindet. Es gibt die anderen im Raum nicht mehr. Nur noch diese Situation und diese Gefühle die du dann auslöst.

Es ist befreiend, weil ich habe die Verantwortung schon lange nicht mehr. Ich kann es geschehen lassen. Das bedeutet auch, dass ich die Lust und die Leidenschaft zulassen kann. Egal wer sonst noch anwesend ist. Grenzen scheinen nicht mehr zu existieren. Es ist wie ein Rausch der mich völlig unerwartet trifft und ich verstehe auch absolut nicht woher das kommt. Es ist nicht weniger Intim als Yukimura-Ryu. Aber ich kann die Sicherheit in den Seilen und in der Hilflosigkeit finden. Man unterwirft sich nicht, man wird unterworfen. Für mich persönlich ist das viel einfacher.

Extasia 2016

Auch in 2016 waren wir wieder auf der Extasia, dieses Mal allerdings nur am Samstag und nicht an beiden Tagen. Die Extasia fand vom 2. bis 12. Dezember, Freitag bis Sonntag, statt. Stargast waren dieses Mal Micaela Schäfer und auch Lena Nitro war wieder mit von der Partie.

Die Extasia das Jahr war leider nicht ganz so schön wie in den Vorjahren. Bisher war sie ja immer im Eishockey-Stadion, auf dicken Gummi-Matten direkt auf dem Eis. Das hat zwar über mehrere Stunden für kalte Füsse gesorgt, war aber von der Location her grösser als es dieses Mal in der Messehalle war. Eine Menge Stände waren entsprechend gar nicht mehr dort vertreten und es schienen auch weniger Besucher zu sein als in den Vorjahren.

Nachdem wir schon erfolgreich an den Porny Days Ende November aufgetreten waren, war der grösste Druck natürlich schon ein wenig einer gewissen Routine gewichen, so dass wir uns mehr auf die Freude an der Performance konzentrieren konnten.

Yoko und ich waren dennoch gespannt, denn anders als im Vorjahr hatten wir dieses Mal den Zeitslot abends um 21 Uhr. Primetime, sozusagen, und erst unsere zweite gemeinsame Performance, beziehungsweise die zweite gemeinsame Choreographie.

Bühnenelement Extasia 2016

Bühnenelement Extasia 2016

Auch dieses Jahr hielt die Bühne einige Überraschungen bereit. Wie üblich gab es auf der Bühne einen kleineren Aufbau, auf dem das rote Interview-Sofa stand. Dieser Aufbau sorgte für eine Stufe, die zirka 50cm hoch war… und genau über dieser Kante befand sich der Hängepunkt! Schockiert machte sich daraufhin Jack the Rigger an die Arbeit und in Zusammenarbeit mit dem Organisator wurde wortwörtlich über Nacht vom Donnerstag auf den Freitag ein Bühnenelement mit passenden Füssen ausgestattet. Ohne diesen Einsatz hätten wir unmöglich auftreten können, da die Fesselnden sonst permanent mit einem Bein über dem Abgrund hätten arbeiten müssen und die aufgehängten Modelle ja direkt über der Kante wieder auf den Boden heruntergelassen worden wären. Das war leider wirklich nicht gut vorbereitet, was auch daran lag, dass dem Veranstalter nicht wirklich klar war, wie unsere Performances aussehen würden.

Futomomo

Extasia 2016 by Elena

Zum zweiten Mal hatten wir Elena dabei, die unsere Show fotografiert hat. Ihr zweiter Einsatz am Bühnenrand, umringt von den ganzen Profi-Fotografen (und denen, die sich dafür halten). Zu Beginn zeigten sich die anderen noch grossmütig und liessen ihr einen angenehmen Platz direkt vorne mit dem Hinweis, sie würden ja ohnehin „eher andere Dinge“ fotografieren als das, was von einer Bondage-Perfo zu erwarten war. Die Performance ging gut, deutlich besser und lockerer als in 2015. Damals musste Yoko mir noch mittendrin immer wieder mal zuzischeln, was jetzt als nächstes kommt, weil ich so nervös war, dass ich einen Teil des Ablaufs irgendwie nicht recht behalten konnte. Aber mit der zusätzlichen Erfahrung im Rücken ging es dieses Mal wirklich mit viel Engagement und Leidenschaft.

Extasia 2016 by Elena

Extasia 2016 by Elena

Kaum legten Yoko und ich dann aber los, war es mit der Grosszügigkeit schnell vorbei und Elena musste die Kamera trotz stossender Ellenbogen und drängender Knipser ruhig halten. Tja, sieht so aus, als hätten wir den Geschmack der Mehrheit getroffen. Gut, das ist auch nicht weiter verwunderlich, Yoko ist eine begnadete Performerin und man kann sich immer darauf verlassen, dass sie die Menge zu fesseln weiss.

Generell fand ich die Erfahrung völlig anders, auf der grossen Bühne zu stehen. Es war befriedigend und anregend, nicht nur eine „sportliche“ Herausforderung, sondern richtiges Shibari. Der Unterschied zu den intimeren Sessions in der Juku war natürlich da und deutlich spürbar, aber es war eben einfach eine Verschiebung der Schwerpunkte, nicht etwas qualitativ völlig anderes.

Insofern freuen wir uns auf die nächste Gelegenheit, einer interessierten Gruppe unser Shibari zu zeigen!

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