Kategorie: Shibarimuster

Aisatsu

Aisatsu (挨拶) bedeutet „Begrüßung“. Dieses Shibari-Pattern ist eine Aufwärm- und Kennenlern-Übung im Osada-Ryû und können leicht erlernt werden. Sie helfen den Lernenden, sich auf den Partner zu konzentrieren und den Alltag hinter sich zu lassen.

Im Osada-Ryû werden definierte Muster eingesetzt, aber mit der richtigen Mischung aus Minimalismus und Konzentration lassen sich auch andere Techniken als Aisatsu verwenden. So lange die Techniken nicht zu komplex sind, sind sie geeignet.

Die Aisatsu-Techniken werden auch als Aufwärmübung zu Beginn einer Lektion benutzt. Sie eignen sich hervorragend, um den Übergang vom Alltag ins Shibari zu erleichtern und sich mental auf den Partner einzustellen.

Hashira

Hashira bedeutet „Pfahl“ oder „Säule“. Es umfasst eine ganze Gruppe von Shibari-Mustern, die alle an einer aufrechten Säule oder einem Balken gemacht werden. Dabei werden meist Kombinationen aus einem Oberkörper-Muster und einem Hüftharness verwendet. Es sind viele verschiedene Posen möglich, sobald eine solide Konstruktion für die Hängung gemacht ist. Hashira-Muster sind aus dem fortgeschrittenen Bereich und werden erst im zweiten Drittel der Ausbildung unterrichtet.

Invertierte Hashira-Suspension mit Strappado an den Armen.

Invertierte Suspension mit Strappado. Entscheidend ist neben der Pose die Gewichtsverteilung zwischen den Armen und dem Taillen-Seil, so dass eine sichere Hängung entsteht. Die Hashira sollte ausserdem nicht zu nah an einer Wand stehen, so dass genug Platz ist, um auch ander Rückseite noch zu arbeiten. Die ideale Breite der Hashira beträgt dabei 10 bis 21 cm, so dass die Auflagefläche und die Stabilität der Hashira maximiert wird.

Hashira-Suspension mit Takatekote-Muster am Oberkörper.

Aufrechte Hashira-Techniken können mit jedem beliebigen Oberkörper-Muster kombiniert werden. Je mehr Freiraum zum Beispiel an den Beinen bleibt, desto mehr Möglichkeiten hat man zur visuellen Gestaltung.

Durch den hohen technischen Anspruch ist es besonders schwierig, die Kommunikation mit dem Partner aufrecht zu erhalten. Ausserdem schränkt die Säule den Bewegungsradius ein. Die Rückseite der Muster sind nicht so einfach zugänglich. Es ist ausserdem wichtig, den Körper so nah wie möglich an die Säule zu führen, damit die Pose anmutig und aufrecht bleibt.

Traditionell werden japanische Häuser als Holzbalkenkonstruktionen gebaut. Diese Balkenstrukturen ähneln europäischem Fachwerk. Diese Balken sind jedoch innerhalb der Räume oft freistehend. Daher kommt die Möglichkeit, entsprechende Muster traditionell zu gestalten. Die Assoziation mit einem traditionellen japanischen Bauernhaus, einem Minka (民家) sind hier das erklärte Ziel.

Kemono

Kemono-Shibari (獣縛り) ist eines der grundlegenden Muster im Yukimura-Ryû. Es erinnert an ein gefangenes Tier, dem die Beine zusammengebunden wurden. Es ist eine der klassischen Bodentechniken (Newaza, 寝技). Es wird bereits im Einsteiger-Bereich unterrichtet und wird stetig weiter verfeinert.

Kemono-Shibari, Foto aus einer Lesson mit Yukimura Haruki, 2015, Tokio
Kemono-Shibari aus einer Lesson im Studio von Yukimura Haruki in Ebisu, Tokio im Jahr 2015

Nijûbishi

Nijûbishi (二十菱) gehören zu eine Gruppe von Shibari-Mustern, die vor allem im Osada-Ryû eine wichtige Rolle spielen. Sie basieren auf dem Hishi, einer Raute. Dieses Symbol ist eine stilisierte Wasserkastanie und kommt auch in der japanischen Heraldik vor. Zahlreiche Familienwappen (Kamon, 家紋) enthalten dieses Symbol und auch im Firmenlogo der Automarke Mitsubishi kommt es vor.

Nijûbishi, Frontansicht

Es gibt zahlreiche Varianten und sie sind vor allem wegen der symmetrischen Form beliebt. Ausserdem zeigen sie das Können eines Bakushi, da eine grosse Geschicklichkeit erforderlich ist. Fingerfertigkeit und die Fähigkeit, gleichzeitig den Kontakt mit dem Partner aufrecht zu erhalten, kommen hier zur vollen Entfaltung.

Die Rückseite ähnelt einem Takatekote, es gibt aber auch Möglichkeiten, Hôjô-Nawa-Techniken einzusetzen. Je nach Konstruktion sind sogar Suspensionen mit diesen Techniken möglich. Wichtig ist hier, dass die Gewichtsverteilung und die Spannung im Seil perfekt abgestimmt sind.

Shakuhachi

Shakuhachi (尺八) heisst eine traditionelle japanische Bambusflöte. Der Name kommt von der Länge des Instruments, das aus einem Shaku und ach Sun besteht. Die Standardlänge beträgt damit circa 54.5cm. Es gibt verschiedene Längen, was die Tonhöhe beeinflusst, was aber fürs Shibari keine Rolle spielt.

Die Shakuhachi ist natürlich ein Musikinstrument, wurde aber auch als Hilfsmittel für Meditation verwendet. Die Flöte wurde also entweder als Unterhaltungsinstrument oder als religiöses Objekt verwendet. Auch das Shibarimuster kann zur Unterhaltung oder mit meditativem Ziel verwendet werden.

Das Muster ist also kulturell unterschiedlich interpretierbar. So, wie sich die eigene Haltung verändert, kann auch die Interaktion unterschiedlich sein.

Takatekote

Takatekote (高手小手) heisst ein klassisches Shibari-Muster. Es ist eines der bekanntesten und verbreitetsten Muster. Dabei werden die Unterarme mindestens horizontal übereinander gelegt und mit einem „Single Column Tie“ zusammengebunden. Danach werden mehrer Lagen um den Oberkörper gewickelt und am Rücken fixiert. Dieses Muster wird in fast allen Schulen unterrichtet und unterscheidet sich immer in gewissen Punkten.

Der Takatekote (kurz: TK) enthält alle wesentlichen Grundelemente des Shibari. Dieses Muster ist gewissermassen wie ein Alphabet der Grundtechniken. Darum wird auch so viel Zeit darauf verwendet, es zu unterrichten. Neben den Techniken bietet es auch viele Gelegenheiten, mit dem Partner zu interagieren.

Es ist eines der stabilsten und am weitesten entwickelten Muster im Shibari. Daher wird der TK auch für zahlreiche fortgeschrittene Suspensionen und Transitionen verwendet.

Durch die symmetrische Struktur und weil der TK den ganzen Oberkörper umschliesst ist es einfach, Verzierungen („Kazari“) anzubringen. Damit wird der Takatekote auch zu einer soliden Grundlage für längere Sesssions oder Performances und kann immer anders aussehen.

Teppô

Als die ersten Portugiesen im 16. Jahrhundert in Japan ankamen, führten sie bald Schusswaffen alias Teppô ein (鉄砲). Es sind diese Gewehre, die über die Schultern der Soldaten geschlungen wurden, die zuerst den Teppô-Shibari ( 鉄砲縛り) und später den Teppozuri (鉄砲吊り) alias Gewehraufhängung inspirierten.

Teppô-Shibari im Studio SIX.
Teppô-Shibari

Diese Aufhängung wurde durch den verstorbenen Shibari-Großmeister Akechi Denki (明智伝鬼) populär gemacht und ist sowohl auf Bühnen als auch im privaten Bereich sehr beliebt.

Trotz des traditionellen Namens ist dieses Muster keine klassisches Muster. Es gibt keine Vorlagen im Hôjô-jutsu oder anderen Handbüchern und Kampfkünsten, die diese Technik zeigen. Dieses Muster ist eeine moderne Interpretation traditioneller Themen im Shibari. Sie greift historische Bilder auf, nutzt aber Shibari-Ästhetik.

Yokozuri

Yokozuri (横吊り) bedeutet „seitliche Hängung“. Es ist die erste und grundlegendste Form der Suspension, die unterrichtet wird. Das Körpergewicht ruht dabei seitlich auf den Lagen des Takatekote am Oberkörper. Das verteilt die Last gleichmässig und sorgt für ein verhältnismässig komfortables Gefühl.

Yokozuri, ahown at Studio SIX, Tokio 2017

Der Yokozuri ist ein kreatives, verhältnismässig einfaches und sicheres Muster.

Ein Fuss bleibt bis unmittelbar vor dem Abheben am Boden, so dass Ukete selbst durch das Abheben des Fusses testen kann, ob die Seile richtig sitzen und wie gross die körperliche Belastung ist.

In der Regel besteht diese Form aus einer stabilen Oberkörper-Fesslung. Im Osada-Ryû wird dabei in der Regel ein Takatekote aus drei Seilen verwendet. Auch andere Oberkörpermuster sind jedoch möglich, wie zum Beispiel ein Nijûbishi.

Die Vorstufe ist der Kata-ashi-zuri, der eine Teilsuspension ist. Dabei bleibt ein Fuss auf dem Boden, so dass die Belastung für Ukete minimal bleibt. Aber bereits in dieser Stufe lassen sich zahlreiche schöne Bilder erzeugen und mit der Teilsuspension experimentieren.

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