Poetry in Ropes – Einführung in Yukimura-Ryû

Im Frühling 2018 haben Yoko und ich Nagor aus Finnland im Studio SIX kennengelernt. Wir waren uns sofort sympatisch, und das intensive, gemeinsame Arbeiten im Haupt-Dôjô des Osada-Ryû brachte uns schnell noch näher zusammen. Seitdem stehen wir regelmässig in Kontakt.

Bei einem seiner Besuche in der Juku in 2018 kam die Idee auf, einen Yukimura-Ryû-Workshop in Helsinki zu organisieren. Die Shibari-Szene dort ist klein, aber engagiert und dynamisch, und Nagor spielt eine wichtige Rolle in der Organisation. Als Veranstalter, Lehrer und Ansprechpartner leistet er dabei Pionierarbeit und ist dabei noch ein herausragender Performer und Lehrer.

Während Nagor und seine Shibari-Partnerin Feline damit begannen, in der Community zu werben und eine Teilnehmer-Gruppe zusammenzustellen, entwickelte ich ein Workshop-Programm. Einerseits wollte ich wesentliche Grundelemente von Yukimura-Ryû zu vermitteln, andererseits aber auch genug Raum lassen, dass die Teilnehmenden sich die Techniken zu eigen machen können.

Das Programm habe ich dann nochmal mit Nagor abgestimmt, und los ging es. Alles in allem waren wir an einem Sonntag in Helsinki im alten Club X sieben Stunden (!) am Üben. Es war eine spannende Erfahrung, zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Paare mit den Techniken umgegangen sind. Die wesentlichen Aspekte hatten alle schnell verinnerlicht, was dadurch erleichtert wurde, dass mich Nagor und Feline hervorragend unterstützt haben.

Ursprünglich war der Kurs für fünf Paare konzipiert, aber weil die Nachfrage so gross war (und mir Nagor und Feline versichert haben, dass sie die Gruppe gut kennen und sie mich unterstützen würden) hatten wir am Ende sieben Paare vor Ort. Wow!

Club X ist eigentlich nicht für grössere Shibari-Events ausgelegt, also mussten wir ein paar Hängepunkte improvisieren, aber am Ende hatten wir genug Platz für alle.

Nach einer kurzen Einführung in die theoretischen Grundlagen begannen wir auch gleich mit den ersten praktischen Übungen. Ich war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der die Teilnehmenden sich mit den Techniken befasst haben.

Die Dynamik war unglaublich und was als Praxisübung anfing, entfaltete schnell eine Eigendynamik und nach kurzer Zeit konnte man schon sehen, wie sich die neuen Lerninhalte und die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse der Teilnehmenden ergänzten.

Es war eine wunderbare Erfahrung, und ich hoffe, dass ich sehr bald wieder in Helsinki sein kann!