Schlagwort: Osada-Ryû

9 Pforten

Die 9 Pforten sind der theoretische und philosophische Kern des Osada-Ryû. Sie beschreiben die wesentlichen Elemente, die im Unterricht gelehrt werden. Alle Techniken sind auf diese Konzepte bezogen oder drücken sie aus.

Die 9 Pforten sind die folgenden Punkte:

  1. Tachi-ichi, 立位置 – (Position(ing))
  2. Ma-ai, 間合い – (Proximity)
  3. Sabaku, 捌く – (Rope Handling)
  4. Urawaza, 裏技 – (Hidden Techniques)
  5. Ki, 気 – (Energy)
  6. Kankyû, 緩急 – (Tempo & Rhythm)
  7. Kan, 勘 – (Intuition)
  8. Muganawa, 無我縄 – (Empty Mind)
  9. Kuden, 口伝 – (Oral Tradition)

Aisatsu

Aisatsu (挨拶) bedeutet „Begrüßung“. Dieses Shibari-Pattern ist eine Aufwärm- und Kennenlern-Übung im Osada-Ryû und können leicht erlernt werden. Sie helfen den Lernenden, sich auf den Partner zu konzentrieren und den Alltag hinter sich zu lassen.

Im Osada-Ryû werden definierte Muster eingesetzt, aber mit der richtigen Mischung aus Minimalismus und Konzentration lassen sich auch andere Techniken als Aisatsu verwenden. So lange die Techniken nicht zu komplex sind, sind sie geeignet.

Die Aisatsu-Techniken werden auch als Aufwärmübung zu Beginn einer Lektion benutzt. Sie eignen sich hervorragend, um den Übergang vom Alltag ins Shibari zu erleichtern und sich mental auf den Partner einzustellen.

Nijûbishi

Nijûbishi (二十菱) gehören zu eine Gruppe von Shibari-Mustern, die vor allem im Osada-Ryû eine wichtige Rolle spielen. Sie basieren auf dem Hishi, einer Raute. Dieses Symbol ist eine stilisierte Wasserkastanie und kommt auch in der japanischen Heraldik vor. Zahlreiche Familienwappen (Kamon, 家紋) enthalten dieses Symbol und auch im Firmenlogo der Automarke Mitsubishi kommt es vor.

Nijûbishi, Frontansicht

Es gibt zahlreiche Varianten und sie sind vor allem wegen der symmetrischen Form beliebt. Ausserdem zeigen sie das Können eines Bakushi, da eine grosse Geschicklichkeit erforderlich ist. Fingerfertigkeit und die Fähigkeit, gleichzeitig den Kontakt mit dem Partner aufrecht zu erhalten, kommen hier zur vollen Entfaltung.

Die Rückseite ähnelt einem Takatekote, es gibt aber auch Möglichkeiten, Hôjô-Nawa-Techniken einzusetzen. Je nach Konstruktion sind sogar Suspensionen mit diesen Techniken möglich. Wichtig ist hier, dass die Gewichtsverteilung und die Spannung im Seil perfekt abgestimmt sind.

Shakuhachi

Shakuhachi (尺八) heisst eine traditionelle japanische Bambusflöte. Der Name kommt von der Länge des Instruments, das aus einem Shaku und ach Sun besteht. Die Standardlänge beträgt damit circa 54.5cm. Es gibt verschiedene Längen, was die Tonhöhe beeinflusst, was aber fürs Shibari keine Rolle spielt.

Die Shakuhachi ist natürlich ein Musikinstrument, wurde aber auch als Hilfsmittel für Meditation verwendet. Die Flöte wurde also entweder als Unterhaltungsinstrument oder als religiöses Objekt verwendet. Auch das Shibarimuster kann zur Unterhaltung oder mit meditativem Ziel verwendet werden.

Das Muster ist also kulturell unterschiedlich interpretierbar. So, wie sich die eigene Haltung verändert, kann auch die Interaktion unterschiedlich sein.

Teppô

Als die ersten Portugiesen im 16. Jahrhundert in Japan ankamen, führten sie bald Schusswaffen alias Teppô ein (鉄砲). Es sind diese Gewehre, die über die Schultern der Soldaten geschlungen wurden, die zuerst den Teppô-Shibari ( 鉄砲縛り) und später den Teppozuri (鉄砲吊り) alias Gewehraufhängung inspirierten.

Teppô-Shibari im Studio SIX.
Teppô-Shibari

Diese Aufhängung wurde durch den verstorbenen Shibari-Großmeister Akechi Denki (明智伝鬼) populär gemacht und ist sowohl auf Bühnen als auch im privaten Bereich sehr beliebt.

Trotz des traditionellen Namens ist dieses Muster keine klassisches Muster. Es gibt keine Vorlagen im Hôjô-jutsu oder anderen Handbüchern und Kampfkünsten, die diese Technik zeigen. Dieses Muster ist eeine moderne Interpretation traditioneller Themen im Shibari. Sie greift historische Bilder auf, nutzt aber Shibari-Ästhetik.

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